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Der Kompost-Verlag


ein kleines Unternehmen mit Sitz auf dem Lande, in einem Haus, das einst Herberge des dörflichen Kramladens war, reizt nicht nur vorübergehende Sonntagsspaziergänger zu geheimnisvollen Spekulationen.

Die unverhüllten Schaufenster gestatten einen Blick in den Geschäftsraum, bewacht von zwei braun-schwarz getigerten Raubtieren:

Auf den etwas schief herabhängenden Regalbrettern lagern bunte Ordner, Bücher, Seifenblasenfläschchen, Gurkenkartons, Lampions und Kastanien in einer Puppenbadewanne. Graue Metallregale sind mit ebenso grauen, aber auch braunen Kartons bestückt, roten, weißen, blauen und gelben Stehordnern, alten Zeitungen und einem Blumenseidenpapierständer. Ein gusseisernbefußter Zeichentisch dient als Ablagefläche für Werkzeuge, selbstgebastelte Musikinstrumente, Samentütchen und leere Kartons, aus denen in Abständen verschlafene Augen über den Rand blinzeln, in Erwartung des Herannahens eines mit Serviertellern klappernden Tierpflegers.

Platz findet auch der reich ausgestattete Fuhrpark einer jungen Verlagsmitarbeiterin, wobei Größe und Farbenvielfalt der Zwei, Drei- oder Vierräder die Vermutung nahe legen, dass Spiel in diesem Unternehmen eine dominierende Rolle einnimmt.

Überhaupt fehlt es an der handelsüblichen Betriebsamkeit: Kein schweißgebadeter Manager jongliert bühnenreif mit Telefonhörer, Handy und Mäusen, vergebens halten Schaufensterbummler Ausschau nach den strebsamen und flink huschenden Fingern einer kopfhörergeschmückten Sekretärin, keine kittelbeschürzte Packerin stapelt augenrollend zusammengetackerte Bücherbündel auf abfuhrbereite Paletten, und das Faxgerät rauchte nur einmal in Folge einer naturbedingten Überspannung des landläufigen Stromnetzes, nicht aber wegen übersteigerten Gebrauchs.

»Wie willst du auf diese Weise je ins Geschäft kommen?«, wurde die Verlagsinhaberin einst gefragt. Ein berechtigter Einwand, mag manch ein Leser denken. Doch der Schein trügt wie beim Anblick eines laubbedeckten Komposthaufens, in dessen Innerem unzählige Lebewesen mit der Verdauung alltäglich abfallender Überhänge beschäftigt sind, ohne sich ausgedehnte Zigarettenpäuschen auf dem Klo zu gönnen oder während eines Plausches mit dem Nachbarn durch frisch angeleckte Zeigefinger in bunten Illustrierten zu blättern – auf dem Tisch eine vollbusige Kaffeetasse mit einem herzzerreißend witzigen Slogan, der täglich zu dem immer gleichen, nur Eingeweihten genehmigten Schmunzeln herausfordert: Ja, wir haben uns alle lieb! Nach so einem Betriebsklima können sich andere Kumpelschaften nur die Finger lecken!

(Hätte da nicht gerade der Buchhalter von Konkurrenz-Kumpelschaft 0815 einen noch viel lustigeren Kaffeepott zum 10-Jährigen ausgepackt ...)

Aber keine Bange. Mobbing ist auch im Kompost-Verlag erlaubt. Alle zwei, drei oder sechs Monate legt die Chefin selbst Hand an, um großzügig schwingend einen Vileda-Wisch-Mobb über die leicht ramponierten Fußbodenfliesen zu ziehen, während die schlammigen Reifenspuren und Schuhabdrücke wehleidig ihr Recht auf Beförderung einklagen, das ihnen, nach einigem Hin-und-Her, schließlich gewährt wird. Allerdings in die unterirdischen Anwesen des betriebszugehörigen Versickerungssystems.

Nach aufmüpfigen, im Jammer- und Überzeugerton verfassten Unterschriftenlisten suchen Sie sich auf Kompost-Verlags-Tischen die Augen müde. Bereits mit dem ersten Produkt gab die Verlegerin und Autorin ein Beispiel der hier praktizierten Rechts-Links-Schreibung. Alte wie neue Wortschöpfungen sind ebenso erlaubt wie musikalisch gesetzte Pausenzeichen. Ob konservativ oder frisch vom Beet: Gekocht wird nach wie vor mit Buchstaben des Alfabeets, Schriftzeichen nach Art des Hauses oder freispurigen Gedankenschnipseln wie gewachsen.

Sie haben Lust auf mehr bekommen? Dann hoffen Sie mit uns, dasss ein satter Landregen die mit handverlesenen Markstücken besäten Verlagskonten zum Blühen bringt. Der Humus steht bereits in den Kompostlöchern: Reifegrade auf Anfrage, Terminabsprache mit den Sternen.

Komm Post, komm Puter, komm Humu Lecithin! 

 

Herzhaft

Ihre Dottore Klosette von und zu Riedebrink-Schänk

(geschäftsführende Putzfrau – nach Diktat zu Bett)

 

Vorsicht: Humor!

 

© 2001 Jutta Riedel-Henck

 

 

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